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Elektro Becerik
Privat & Eigentum

E-Herd anschließen — Drehstrom-Pflicht in Berlin

Selcuk Becerik · Elektriker seit über 35 Jahren25. Februar 2025Lesedauer 2 Min.
Fachgerechter Herdanschluss an einer Herdanschlussdose mit fünfadrigem NYM-Kabel

Warum braucht ein Herd Drehstrom?

Ein modernes Induktionskochfeld hat eine Anschlussleistung von 7 bis 11 kW. Eine normale Haushaltssteckdose (Schutzkontakt, 230V) ist für maximal 3,68 kW ausgelegt (230V × 16A). Die Leistung eines Kochfelds übersteigt also die Belastbarkeit einer einzelnen Phase bei weitem.

Die Lösung ist der Drehstromanschluss (umgangssprachlich "Starkstrom"): Drei Phasen à 230V ermöglichen zusammen eine Leistung von bis zu 11 kW bei 16A pro Phase. Der Herd verteilt seine Last gleichmäßig auf die drei Phasen, sodass keine einzelne Leitung überlastet wird.

Was passiert bei falschem Anschluss?

Im Internet kursieren Anleitungen für sogenannte "Perilex-auf-Schuko-Adapter" oder Tipps, den Herd einphasig anzuschließen. Das ist aus mehreren Gründen gefährlich:

  • Überlastung der Leitung: Wenn die volle Leistung über eine einzige Phase gezogen wird, fließt ein Strom, der die Leitung und die Sicherung dauerhaft überbelastet. Das Kabel in der Wand erhitzt sich — im schlimmsten Fall bis zum Schwelbrand.
  • Keine sofortige Abschaltung: Die Sicherung löst bei Überlastung nicht sofort aus, sondern erst nach einer gewissen Zeit (thermische Auslösung). Während dieser Zeit erhitzt sich die Leitung unkontrolliert.
  • Versicherungsverlust: Bei einem Brand durch nicht fachgerechten Anschluss verweigert die Gebäudeversicherung die Regulierung. Die Beweislast liegt beim Betreiber.

Gesetzliche Lage: NAV §13

Die Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) regelt in §13, dass der Anschluss von Geräten, die fest an die elektrische Anlage angeschlossen werden, nur durch ein eingetragenes Installationsunternehmen erfolgen darf. Dazu gehören:

  • Elektroherde und Induktionskochfelder
  • Durchlauferhitzer
  • Wallboxen
  • Klimaanlagen mit Festanschluss

Der Herdanschluss ist kein Stecker-in-die-Dose-Vorgang, sondern ein Festanschluss an eine Herdanschlussdose (HAD) mit Klemmverbindung. Das darf nur eine Elektrofachkraft ausführen.

Sonderfälle im Berliner Altbau

In vielen Berliner Altbauwohnungen ist keine Herdanschlussdose vorhanden oder es liegt nur eine Phase an. Das kommt vor, wenn die Wohnung ursprünglich mit einem Gasherd ausgestattet war und nie ein Starkstromanschluss verlegt wurde. In diesem Fall muss:

  • Geprüft werden, ob drei Phasen im Zählerkasten der Wohnung vorhanden sind.
  • Eine neue Zuleitung vom Verteiler zur Küche verlegt werden (5×2,5 mm² NYM-J).
  • Eine normgerechte Herdanschlussdose installiert werden.
  • Die Absicherung angepasst werden (3×16A Leitungsschutzschalter, Charakteristik B).

Ist im Zählerkasten nur eine Phase vorhanden (kommt in älteren Einliegerwohnungen vor), muss die Erweiterung mit dem Vermieter und ggf. dem Netzbetreiber abgestimmt werden.

Wenn es mit dem neuen Herd zu Sicherungsproblemen kommt

Manchmal merkt man erst beim ersten Vollbetrieb, dass die alte Wohnungsverteilung mit dem neuen Herd nicht zurechtkommt — die Sicherung fliegt regelmäßig raus. Was steckt dahinter? Eine kurze Übersicht zu den Ursachen finden Sie im Ratgeber Sicherung fliegt ständig raus.

Ablauf bei uns

Ein fachgerechter Herdanschluss durch uns umfasst: Prüfung der vorhandenen Installation, Anschluss des Geräts nach Herstellervorgabe, Messung der Schleifenimpedanz und Isolationswiderstände, und eine kurze Funktionsprüfung. Dauer: in der Regel unter einer Stunde, wenn die Vorinstallation vorhanden ist. Bei Neuverlegung entsprechend länger.

Häufige Fragen

Antworten zum Thema

Warum braucht ein Elektroherd Drehstrom?
Ein modernes Induktionskochfeld hat eine Anschlussleistung von 7 bis 11 kW. Eine Schuko-Steckdose ist für maximal 3,68 kW ausgelegt. Drehstrom (drei Phasen à 230V) verteilt die Last gleichmäßig auf drei Leiter und ermöglicht so bis zu 11 kW bei 16A pro Phase.
Darf ich einen Herd selbst anschließen?
Nein. Die Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) regelt in §13, dass der Anschluss von fest angeschlossenen Geräten — dazu gehören Herde, Induktionskochfelder, Durchlauferhitzer und Wallboxen — nur durch ein eingetragenes Installationsunternehmen erfolgen darf.
Was passiert bei einem falschen Anschluss?
Wird die volle Leistung über eine einzige Phase gezogen, fließt ein Strom, der die Leitung dauerhaft überlastet. Das Kabel in der Wand erhitzt sich — im schlimmsten Fall bis zum Schwelbrand. Die Sicherung löst bei Überlastung nicht sofort aus, sondern erst nach einer thermischen Zeitspanne. Versicherungen verweigern in solchen Fällen die Regulierung.
Was tun, wenn keine Herdanschlussdose vorhanden ist?
Im Berliner Altbau kommt das vor — etwa wenn die Wohnung ursprünglich mit einem Gasherd ausgestattet war. Dann muss geprüft werden, ob drei Phasen im Zählerkasten vorhanden sind, eine neue Zuleitung zur Küche verlegt werden (5×2,5 mm² NYM-J) und eine normgerechte Herdanschlussdose installiert werden.
Über Elektro Becerik

Geschrieben von Selcuk Becerik, Inhaber von Elektro Becerik — Ihrem Berliner Elektriker seit 1994. Vom Marken-Geräteservice (Miele, Bosch, Siemens) bis zur Altbau-Sanierung in Berlin und Brandenburg — ehrliche Beratung statt Notdienst-Hektik.