Wallbox Berlin: Anmeldung & Genehmigung
Was ist bei der Installation einer Wallbox in Berlin zu beachten?
Der Einbau einer Wallbox zum Laden eines Elektroautos ist in Deutschland an klare Regeln gebunden. In Berlin kommt hinzu, dass viele Gebäude Altbauten mit begrenzter elektrischer Infrastruktur sind. Bevor eine Wallbox bestellt wird, muss die vorhandene Elektroinstallation geprüft und der Anschluss beim Netzbetreiber angemeldet werden.
11 kW oder 22 kW — was ist der Unterschied?
Die Ladeleistung einer Wallbox bestimmt, wie schnell das Fahrzeug geladen wird, und welche bürokratischen Hürden bestehen:
- Wallbox bis 11 kW: Muss beim Netzbetreiber (in Berlin: Stromnetz Berlin) angemeldet werden. Eine Genehmigung ist in der Regel nicht erforderlich. Die Anmeldung erfolgt über ein Online-Formular beim Netzbetreiber. Für die allermeisten privaten Anwendungen reicht diese Leistung aus — ein E-Auto mit 60 kWh Batteriekapazität lädt über Nacht in ca. 6 Stunden voll.
- Wallbox über 11 kW (z.B. 22 kW): Ist genehmigungspflichtig nach §19 NAV (Niederspannungsanschlussverordnung). Der Netzbetreiber prüft, ob der Hausanschluss und das lokale Verteilnetz die zusätzliche Last tragen. Die Genehmigung kann mit Auflagen verbunden sein oder verweigert werden, wenn die Netzkapazität nicht ausreicht.
Unsere klare Empfehlung für private Nutzung in Berlin: 11 kW. Die Ladezeit ist für den Alltag völlig ausreichend, und der Installationsaufwand sowie die Kosten sind deutlich geringer.
Rechtsanspruch für Wohnungseigentümer: WEMoG
Seit Dezember 2020 haben Wohnungseigentümer durch das Wohnungseigentumsmodernisierungsgesetz (WEMoG) einen gesetzlichen Anspruch auf den Einbau einer Lademöglichkeit. Die Eigentümergemeinschaft (WEG) kann den Einbau nicht mehr grundsätzlich ablehnen — sie kann lediglich über die Art der Durchführung mitentscheiden. Auch Mieter können von ihrem Vermieter die Zustimmung verlangen (§554 BGB). Die Kosten trägt der antragstellende Eigentümer oder Mieter.
Lastmanagement im Mehrfamilienhaus
In einer Tiefgarage mit mehreren Stellplätzen reicht der Hausanschluss fast nie aus, um alle Wallboxen gleichzeitig mit voller Leistung zu betreiben. Ein Beispiel: Ein typischer Altbau-Hausanschluss liefert 30–40 kW Gesamtleistung. Wenn fünf Stellplätze mit jeweils 11 kW laden wollen, werden 55 kW benötigt — mehr als der Anschluss hergibt.
Die Lösung ist ein dynamisches Lastmanagement. Das System misst die aktuelle Gesamtlast des Hauses und verteilt die verbleibende Kapazität intelligent auf die ladenden Fahrzeuge. Alle Autos laden, aber mit reduzierter Leistung, wenn gleichzeitig andere Großverbraucher im Haus aktiv sind (Durchlauferhitzer, Herd, Waschmaschine). Sobald Last frei wird, beschleunigt das System automatisch.
Anforderungen an die Elektroinstallation
Bevor eine Wallbox installiert werden kann, muss die vorhandene Infrastruktur geprüft werden:
- Zählerplatz: Der Zählerkasten muss Platz für einen separaten Zähler oder einen Unterzähler bieten. In vielen Altbauten ist der Zählerplatz veraltet und muss auf den aktuellen Standard (eHZ) umgebaut werden.
- Zuleitung: Vom Zähler zur Wallbox wird eine Leitung mit mindestens 5×2,5 mm² Querschnitt für 11 kW benötigt (bei Verlegung über längere Strecken ggf. 5×4 mm² oder 5×6 mm², abhängig von der Leitungslänge und der Spannungsfallberechnung nach DIN VDE 0100-520).
- FI-Schutz: Die Wallbox muss über einen eigenen Fehlerstromschutzschalter (RCD Typ A-EV oder Typ B) abgesichert sein. Viele Wallboxen haben einen DC-Fehlerstromsensor integriert, sodass ein günstigerer Typ A RCD ausreicht — das muss im Einzelfall geprüft werden.
- Leitungsschutzschalter: Separater LS-Schalter (Charakteristik C, 16A für 11 kW).
Wallbox-Wunsch eines Mieters — was Hausverwaltungen wissen sollten
Wenn ein einzelner Mieter eine Wallbox einbauen möchte, hat das auch für die Hausverwaltung Implikationen: Eingriff in die Elektroinstallation des Hauses, möglicher Eingriff in die Steigleitung, eventuell Lastmanagement-Pflicht für das ganze Haus. Wir klären diese Fragen vor der Umsetzung mit Verwaltung und Mieter und dokumentieren den Eingriff so, dass er bei späteren DGUV V3 Prüfungen nachvollziehbar bleibt.
Unser Service
Wir prüfen Ihren Anschluss vor Ort, beraten zur passenden Wallbox, übernehmen die Anmeldung bei Stromnetz Berlin und installieren die gesamte Infrastruktur — vom Zählerkasten bis zur Wallbox an der Wand. Für WEG-Projekte mit mehreren Ladepunkten planen wir das Lastmanagement und koordinieren die Umsetzung.
Antworten zum Thema
- Brauche ich für eine Wallbox in Berlin eine Genehmigung?
- Wallboxen bis 11 kW müssen bei Stromnetz Berlin lediglich angemeldet werden. Eine Genehmigung ist in der Regel nicht erforderlich. Wallboxen über 11 kW (zum Beispiel 22 kW) sind nach §19 NAV genehmigungspflichtig — der Netzbetreiber prüft, ob das Verteilnetz die zusätzliche Last trägt.
- Was ist der Unterschied zwischen 11 kW und 22 kW?
- Die Ladeleistung bestimmt, wie schnell ein Fahrzeug geladen wird. 11 kW reicht für die meisten privaten Anwendungen — ein E-Auto mit 60 kWh lädt damit über Nacht in etwa 6 Stunden voll. 22 kW ist für Privatnutzung in Berlin meist überdimensioniert und mit deutlich höherem bürokratischem Aufwand verbunden.
- Habe ich als Mieter oder Eigentümer einen Anspruch auf eine Wallbox?
- Ja. Seit Dezember 2020 haben Wohnungseigentümer durch das WEMoG einen gesetzlichen Anspruch auf den Einbau einer Lademöglichkeit. Mieter können von ihrem Vermieter die Zustimmung verlangen (§554 BGB). Die Kosten trägt der antragstellende Eigentümer oder Mieter.
- Welche Absicherung braucht eine Wallbox?
- Eine Wallbox benötigt einen eigenen Fehlerstromschutzschalter (RCD Typ A-EV oder Typ B) und einen separaten Leitungsschutzschalter (Charakteristik C, 16A für 11 kW). Viele Wallboxen haben einen DC-Fehlerstromsensor integriert, sodass Typ A RCD ausreicht — das muss im Einzelfall geprüft werden.
- Was ist ein Lastmanagement?
- In einer Tiefgarage mit mehreren Wallboxen reicht der Hausanschluss fast nie aus, um alle gleichzeitig mit voller Leistung zu betreiben. Ein dynamisches Lastmanagement misst die Gesamtlast des Hauses und verteilt die verbleibende Kapazität intelligent — alle Autos laden, aber mit reduzierter Leistung, wenn andere Großverbraucher aktiv sind.
Geschrieben von Selcuk Becerik, Inhaber von Elektro Becerik — Ihrem Elektriker in Berlin seit 1994. Vom Marken-Geräteservice (Miele, Bosch, Siemens) bis zur Altbau-Sanierung in Berlin und Brandenburg — ehrliche Beratung statt Notdienst-Hektik.
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