Sicherung fliegt ständig raus? Ursachen erklärt

Warum löst die Sicherung aus?
Ein Leitungsschutzschalter (LS-Schalter, umgangssprachlich "Sicherung") schützt die elektrische Leitung in der Wand vor Überhitzung. Er hat zwei unabhängige Auslösemechanismen, die auf unterschiedliche Fehlerfälle reagieren:
- Thermische Auslösung (Überlastung): Ein Bimetall im Inneren des Schalters verbiegt sich bei erhöhtem Strom langsam und trennt den Stromkreis. Die Auslösezeit hängt von der Höhe der Überlast ab — bei geringer Überschreitung kann es Minuten dauern, bei starker Überlast Sekunden. Typisches Szenario: Wasserkocher, Kaffeemaschine und Mikrowelle gleichzeitig an einem Stromkreis.
- Magnetische Auslösung (Kurzschluss): Eine Spule im Schalter reagiert auf extrem hohe Ströme (das Vielfache des Nennstroms) und trennt innerhalb von Millisekunden. Typisches Szenario: Ein defektes Gerätekabel, Wasser in einer Steckdose, oder ein Nagel, der beim Bohren eine Leitung trifft.
Auslösecharakteristiken: B, C und K
Nicht jeder LS-Schalter reagiert gleich schnell auf Überströme. Die Buchstaben B, C und K geben die Auslösecharakteristik an:
- Typ B (Standard in Wohnungen): Magnetische Sofortauslösung bei 3- bis 5-fachem Nennstrom. Also bei einem 16A-Automaten zwischen 48A und 80A.
- Typ C (typisch für Gewerbe, Motoren): Sofortauslösung bei 5- bis 10-fachem Nennstrom. Wird dort eingesetzt, wo hohe Einschaltströme auftreten (Kompressoren, Pumpen).
- Typ K (Industrieanwendungen): Sofortauslösung bei 8- bis 14-fachem Nennstrom.
In Wohnungen gehört immer Typ B. Ist ein Typ C verbaut, kann es sein, dass die Leitung bei einem Kurzschluss bereits Schaden nimmt, bevor der Automat auslöst — weil der Auslöseschwellwert zu hoch liegt.
Veraltete Automaten: Typ H und Typ L
In vielen Berliner Altbauten finden sich noch Leitungsschutzschalter mit den Kennzeichnungen "H" (Hausbrand) oder "L". Diese Typen entsprechen keiner aktuellen Norm mehr. Ihre Auslösekennlinien sind weicher — sie reagieren langsamer und bei höheren Strömen als moderne B-Automaten. Im Fehlerfall kann die Leitung bereits gefährlich heiß werden, bevor der Schalter trennt.
Ein Austausch von H/L-Automaten gegen moderne B-Automaten ist technisch einfach (gleiche Bauform, gleiche Hutschiene) und einer der wirksamsten Schritte zur Verbesserung der Sicherheit im Altbau. Unsicher, in welchem Zustand Ihre Anlage ist? Der Altbau Sicherheits-Check gibt eine erste Einschätzung in unter zwei Minuten.
Was ist der Unterschied zum FI-Schutzschalter?
Der FI-Schutzschalter (RCD, Fehlerstromschutzschalter) hat eine andere Aufgabe als der LS-Schalter. Er schützt nicht die Leitung, sondern den Menschen:
- Der FI vergleicht ständig den Strom, der über die Phase hinfließt, mit dem Strom, der über den Neutralleiter zurückfließt. Sind beide gleich, ist alles in Ordnung.
- Fließt ein Teil des Stroms über einen anderen Weg ab — zum Beispiel über den menschlichen Körper zur Erde — registriert der FI diese Differenz (den Fehlerstrom) und schaltet innerhalb von 30 Millisekunden ab.
- Ein 30mA-FI schützt zuverlässig vor tödlichen Stromschlägen. Ohne FI kann ein Isolationsdefekt in einer Waschmaschine, einem Durchlauferhitzer oder einer Außenleuchte tödlich enden.
Systematische Fehlersuche
Wenn die Sicherung wiederholt auslöst, gehen wir systematisch vor:
- Schritt 1: Alle Verbraucher am betroffenen Stromkreis abstecken. Sicherung einschalten. Hält sie? Dann ist ein Gerät defekt.
- Schritt 2: Geräte einzeln nacheinander anschließen, bis die Sicherung erneut auslöst. Das zuletzt angeschlossene Gerät ist der Verursacher.
- Schritt 3: Löst die Sicherung auch ohne angeschlossene Geräte aus, liegt der Fehler in der festen Installation — beschädigtes Kabel in der Wand, Feuchtigkeit in einer Abzweigdose, oder ein defekter Schalter.
Im dritten Fall ist eine professionelle Messung (Isolationswiderstandsmessung, Schleifenimpedanzmessung) nötig, um den Fehler zu lokalisieren.
Antworten zum Thema
- Warum löst meine Sicherung aus?
- Ein Leitungsschutzschalter schützt die Leitung vor Überhitzung. Er hat zwei Auslösemechanismen: thermische Auslösung bei Überlast (zu viele Geräte gleichzeitig) und magnetische Auslösung bei Kurzschluss (defektes Gerätekabel, Wasser in der Steckdose, beschädigte Leitung).
- Was ist der Unterschied zwischen LS-Schalter und FI-Schalter?
- Der LS-Schalter (Leitungsschutzschalter) schützt die Leitung vor Überhitzung. Der FI-Schutzschalter (RCD) schützt den Menschen vor Stromschlag. Er vergleicht den Strom auf Phase und Neutralleiter und trennt bei einem Fehlerstrom von 30 mA innerhalb von 30 Millisekunden.
- Welche Auslösecharakteristik gehört in eine Wohnung?
- In Wohnungen gehört Typ B mit magnetischer Sofortauslösung bei 3- bis 5-fachem Nennstrom. Typ C ist für Gewerbe und Motoren mit hohen Einschaltströmen vorgesehen, Typ K für Industrieanwendungen. Ein verbauter Typ C in einer Wohnung kann im Kurzschlussfall die Leitung schädigen, bevor er auslöst.
- Was sind H- und L-Automaten?
- Veraltete Leitungsschutzschalter mit der Kennzeichnung H (Hausbrand) oder L finden sich in vielen Berliner Altbauten. Ihre Auslösekennlinien sind weicher als bei modernen B-Automaten — sie reagieren langsamer und bei höheren Strömen. Ein Austausch gegen moderne B-Automaten ist technisch einfach und einer der wirksamsten Sicherheitsschritte im Altbau.
Geschrieben von Selcuk Becerik, Inhaber von Elektro Becerik — Ihrem Elektriker in Berlin seit 1994. Vom Marken-Geräteservice (Miele, Bosch, Siemens) bis zur Altbau-Sanierung in Berlin und Brandenburg — ehrliche Beratung statt Notdienst-Hektik.
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